Dienstag, 6. Januar 2015

Musikunterricht 2.0 - einfach online Instrumente erlernen

Die Welt der Musik ist eine Wunderwelt, der unglaublich viele Menschen als passive Zuhörer geradezu verfallen sind. Wie gerne würden viele von ihnen auch selbst zu den Musikern gehören, aktiv ein Instrument spielen können.


Bis vor ziemlich kurzer Zeit eher ein Thema für wirklich schon gut betuchte Menschen, nur ein paar außerordentlich Begabte/Hartnäckige hatten es drauf, sich auch ohne erheblichen finanziellen Einsatz eine brauchbare musikalische Schulung zu organisieren.


Mit dem Web 2.0 ist das vorbei, jeder kann sich heute die Welt der Musik erobern, der Musikunterricht ist nun nämlich online verfügbar.


get2play - Musikunterricht 2.0

get2play – Musikunterricht 2.0 (Screenshot vom Januar 2015)


Möglich macht diesen innovativen Musikunterricht im Internet die neue Plattform www.get2play.com. Die gleichnamige GmbH aus Berlin hat im April 2013 eine Online-Musikschule an den Start gebracht.


Auf diesem Portal können Schüler nach dem ganz persönlich besten Musiklehrer suchen, sie bietet damit vielen professionellen Lehrern einen neuen Vermarktungskanal, der die Aufmerksamkeit, die über andere Anzeigenkanäle im Internet oder über örtliche Kleinanzeigen erreicht wird, deutlich toppen könnte.


Die Website bietet Online-Videotutorien, in denen Musikinteressierte sehr anschaulich den perfekten Umgang mit ihrem Lieblingsinstrument lernen können. Die Lernvideos sind durchdacht und strukturiert aufgebaut, und sie bieten verschiedenste Service-Funktionen, wie drei unterschiedliche Kameraperspektiven, Slow-Motion-Funktionen und Loop-Funktionen.


Dieses Wissen kann jeder Lernende auch gleich praktisch anwenden, indem er im Live-Videochat ein Online-Instrument spielt. So kann er sich das leidige Üben auch noch etwas “versüßen”, indem er z. B. aktuelle Songs einstudiert und abspielt oder indem er die Techniken seiner Vorbilder online einstudiert.


Zahlreiche Vorteile der Online Musikschule von get2play

Zahlreiche Vorteile der Online Musikschule von get2play (Sreeenshot vom Januar 2015)


Weiter erleichtert wird das Lernen durch einen Videochat, die praktische Onlinebuchung und interaktive Multi-Kamera-Tutorien – So können Sie erst im Zeitalter des Web 2.0 lernen, Sie lernen, was Sie wollen, wann Sie wollen, von wem Sie wollen und wo Sie wollen – und das alles auch noch in einer wirklich einfachen Art und Weise, in einer nie dagewesenen Individualität und preiswert.


Der Online Privatunterricht von Profis bietet natürlich sichere und einfache Zahlungsoptionen und eine 100% Geld-zurück-Garantie.


... weitere Vorteile von get2play

… weitere Vorteile von get2play (Screenshot vom Januar 2015)


Die Suche nach dem genau passenden Lehrer ist mit Get 2 play auch nicht mehr auf ihr näheres Umfeld beschränkt – die Plattform versammelt Lehrer aus Deutschland und der ganzen Welt. Jetzt können Sie also wirklich den perfekten Lehrer finden, wenn nicht hier, wird es ihn wohl nicht geben.


So simpel funktioniert Get 2 play: Lehrer aussuchen, Probestunde vereinbaren und schon können Sie zu Hause Ihren neuen Privatunterricht genießen. Die Suche nach den Lehrern ist natürlich mit zahlreichen Filter- und Suchfunktionen ausgestattet. Zu jedem Lehrer gibt es ein Profil, in dem Sie die genaue Musikrichtung (z. B. Metal-Rock, Hard-Rock), die noch bedienten Genres (z. B. Metal, Jazz, Blues), die beherrschten Instrumente (z. B. E-Gitarre, Akustische Gitarre), Angaben zu Ausbildung (z. B. Konservatorium Stadt X, Diplom “Jazz-Gitarre” mit Auszeichnung), Erfahrungen (z. B. Lead Guitar bei X Band) und Angaben zu Zeiten und Besonderheiten des Unterrichts (z. B. Anfänger-Tricks und Akkorde, Theorie am Instrument, verschiedene Techniken wie Sweeping, Tapping, Shredding, sehr flexible Unterrichtszeiten) erfahren.


Get 2 play hat sich nach eigener Aussage aufgemacht, die beste e-Learning-Platform für Musik entwickeln. Die Firmengründer sind begeistert von den neuen Möglichkeiten zu lernen, die das Internet bietet und interessiert an jeder Erfahrung, Kritik oder Meinung, die zur Entwicklung der Plattform beitragen können.


Die Idee für das interessante Start-Up entstand 2012, als einer der Gründer ein Video auf Youtube veröffentlichte, in dem er ein selbst komponiertes Stück spielt. Es war sein erstes Video, und im Handumdrehen meldeten sich Fans aus der ganzen Welt mit mehreren tausend Klicks, die nach Unterricht per Skype oder Lehrvideos über Percussive Fingerstyle fragten.


Unterricht per Videochat auf get2play

Unterricht per Videochat auf get2play (Screenshot vom Januar 2015)


Offensichtlich gab es einen großen Bedarf nach einer e-Learning-Plattform für Musik, und mit Blick auf die Entwicklung dieser gewann Gründer Tobias nun erst einmal beim Startup Weekend Hamburg und suchte sich dann Software Ingenieur Jan, die beiden zogen nach Berlin zog und gründeten Get2play.


Nachdem sie eine Reihe von Startupveranstaltungen und -programme besucht bzw. gewonnen hatten (Betapitch Hamburg, Indiegogo Crowdfunding der Google Gründergarage, Pro7Sat1-Accelerator, Betapitch Global), kamen Mitte 2013 Moritz (Video- und Kursproduktion) und Dirk (Produktentwicklung, Marketing und Organisation) an Bord, in der kurzen Zeit seitdem haben sich für die ersten Schüler schon eine Reihe von Lehrern angemeldet.


Weitere Tipps zur Betätigung und Rezeption im musikalischen und künstlerischen Bereich finden Sie in den Kunstplaza Kategorien Musik, Kunstkurse & Künstlerische Ausbildung, Trends und Produktempfehlungen.



Musikunterricht 2.0 - einfach online Instrumente erlernen

Donnerstag, 1. Januar 2015

Die Schweizer Fischli & Weiss und ihre leise Eroberung der Kunstwelt

Seit die Schweizer Künstler Peter Fischli und David Weiss 1979 zum Künstlerduo Fischli & Weiss zusammengefunden hatten, hatte sich diese Partnerschaft schon einige Male als förderlich erwiesen, die beiden befruchteten sich gegenseitig und hatten schon mehrere Werke vorgelegt, die beim Publikum auf großes Interesse und ebensoviel Amüsement stießen.


Fischli & Weiss begannen gerade, langsam immer bekannter zu werden, als sie mit Ihrer im Film “Der Lauf der Dinge” verewigten Wundermaschine im Jahr 1987 die Documenta eroberten:


Der wichtigste Erfolg von Fischli & Weiss


Der künstlerische Siegeszug der Künstlergemeinschaft Fischli & Weiss begann dann 1987 auf der documenta 8 in Kassel: “Der Lauf der Dinge”, ein skurriler und köstlich spannender und spaßiger Film, wurde bereits während der documenta zum absoluten Publikums-Hit, den auch außerhalb der Documenta so viele Menschen sehen wollten, dass er die Künstler in ziemlich kurzer Zeit international bekannt machte.


Dieser “Lauf der Dinge” stellt “das Leben” als Kunstfilm dar, indem ein kontinuierlicher Ablauf ähnlich wie bei einer Rube-Goldberg-Maschine in Bewegung gesetzt wird. Diese Ähnlichkeit war gewollt, der Erfinder dieser so sinnlos die Welt umwälzenden Apparatur, Professor Lucifer Gorgonzola Butts, und der Erschaffer dieser genialen Comic-Figur, der amerikanische Cartoonist Reuben “Rube” Goldberg, müssen die Welt wirklich ziemlich ähnlich gesehen haben wie die beiden Schweizer Künstler.



Eine Rube-Goldberg-Apparatur ist eine Quatsch-Maschine, vollkommen unnötig kompliziert, die eine mit Sicherheit nicht sinnvolle Aufgabe bewältigt – so umständlich wie möglich, mit so vielen Umwegen wie die Fantasie hergibt und in so vielen Einzelschritten wie sich Teilchen zusammenfügen lassen.



Schon Rube Goldberg und sein Professor Gorgonzola sahen den Sinn ihrer Maschine ausschließlich darin, einem Beobachter Vergnügen zu bereiten, und genau das schafft auch der im Film “Der Lauf der Dinge” abgebildete Ablauf:


Der Zuschauer sieht eine Konstruktion, die über eine Länge von etwa 25 Metern auf nicht immer erkennbare Weise Flammen und chemische Reaktionen, alle möglichen Bewegungen, Schaum und Explosionen und noch viele Ereignisse mehr erzeugt, nacheinander in einer Kettenreaktion, in der jede Aktion die jeweils nächste in Gang setzt.


Die Bestandteile dieser Maschine sind typischerweise auch nicht unbedingt technisch sinnvoll, es kommen Reifen und Dosen, Kunststoffflaschen und Luftballons, Feuerwerkskörper und vieles andere zum Einsatz, wirklich charakteristische Objets trouvés, vorgefundene Alltagsgegenstände, die nun zu einem Kunstwerk werden.


Diese Maschine sucht ihren Sinn allein in ihrer Tätigkeit, frei nach dem berühmten Zitat des englischen Philosophen David Hume: “Daraus, dass eines auf das andere folgt, folgt gar nichts.”


Ein einziger großer Spaß, und wenn Sie Chemie und Physik bisher langweilig fanden, sollten Sie sich diesen Film über die Maschine, die nichts kann und nicht tut als zu “maschinen”, unbedingt anschauen.


Viele internationale Ausstellungspräsenzen der Künstler Fischli & Weiss folgten


Die ersten Einzelausstellungen fanden zwar schon 1985 statt, im Kölnischen Kunstverein und der Kunsthalle Basel, und 1987 hatten es die Künstler bereits ins Museum of Contemporary Art in Los Angeles geschafft. Nach dem auf der Documenta hingelegten totalen Publikumserfolg ging es aber erst richtig los: Fischli/Weiss durften die Schweiz noch mehrfach vertreten, bei der Biennale in Venedig und bei anderen wichtigen internationalen Kunst-Festivitäten.


Es folgten über 300 Ausstellungspräsenzen quer durch die ganze Welt, und heute ist das Künstlerduo wohl in jedem Museum für zeitgenössische Kunst vertreten, das etwas auf sich hält.


Sammlungen von Arbeiten des Künstlerpaares haben sich inzwischen ebenfalls an sehr vielen Orten eingefunden: In der Art Collection Deutsche Börse, Frankfurt und im Centre Pompidou, Paris, in der Galleria d´Arte Moderna, Turin und in den Staatliche Museen zu Berlin, im Kunsthaus Zürich und im Kunstmuseum Basel und im Kunstmuseum Liechtenstein, Vaduz, im MACBA Barcelona und im Middlebury College Museum of Art, im museum in progress, Wien und im SAFN Museum Reykjavík und im Schaulager Basel, in der Vancouver Art Gallery und im Walker Art Center in Minneapolis und noch an über 30 anderen Kunsstätten irgendwo in unserer schönen Welt.


Auf der Biennale Venedig sind die beiden Künstler schon fast zu Hause, 1988, 1995, 1999, 2003, 2011 und 2013 waren sie dort. 1987 und 1997 war die documenta in Kassel an der Reihe, 1992 füllten Sie den “Swiss Pavillon” auf der Expo, der Weltausstellung in Sevilla, und die Biennalen in São Paulo (1989), in Sydney (1990, 1998, 2008), im brasilianischen Porto Alegre (2008) und in Gwangju, Südkorea (2010) fanden ebenfalls nicht ohne Fischli & Weiss statt.


Was kostet ein Kunstwerk von Fischli & Weiss?


Nicht unbedingt sehr viel: Der bedingungslos sehenswerte “Lauf der Dinge” (“The Way Things Go”) entfaltet sich in voller Pracht und Unsinnigkeit auf DVD bereits ab 29,90; eine DVD von garantiert guter Qualität können Sie auf www.artfilm.ch/der-lauf-der-dinge-dvd für 47,00 CHF (38,05 €) bestellen.


Aber Sie können natürlich auch ein wenig mehr ausgeben: Im September 2012 wurde die Gummi-Skulptur “Kerze” von 1986 für knapp 192.000,- Dollar verkauft, im Mai 2013 ging “One Who Left to Learn Fear”, eine köstliche, aber recht winzige Skulptur aus ungebranntem Ton, für gut 37.000,- Dollar weg, ebenfalls im Mai 2013 brachte der Gelatinesilberdruck der Fotografie “The Car of Evil” 57.500,- Dollar ein.


Oder Sie haben Glück und erwischen einen “Fischli & Weiss” bei einer Veranstaltung wie der vor einigen Jahren durchgeführten Versteigerung zugunsten der SOS-Kinderdörfer: Das Bild von Fischli & Weiss erzielte zwar den Höchstpreis, vor Werken von Jörg Immendorff, Jonathan Meese, Thomas Bayrle, Cosima von Bonin und Martin Kippenberger – aber dieser Höchstpreis belief sich auf nur 13.000 Euro, die Werke aller gerade genannten Künstler bewegen sich sonst deutlich außerhalb solcher”Peanut-Preise”.


Rezeption und Würdigung von Fischli & Weiss


Spätestens seit dem ersten Documenta-Auftritt besteht in Kritiker-Kreisen weitgehend Einigkeit darüber, dass die Künstlergemeinschaft Fischli & Weiss zu den bekanntesten und erfolgreichsten Protagonisten der zeitgenössischen Schweizer Kunst gehören. In der Künstlerliste der größten Künstlerdatenbank Artfacts.net werden Fischli & Weiss 2012 auf Platz 19 geführt, und im Kunstkompass des “manager magazins” nahmen die beiden Platz 26 unter den 100 weltbesten Künstlern ein.


Darüber hinaus gehörten Fischli & Weiss natürlich zu den Lieblingen der Kunst-Didakten – ob Fotografie oder Skulptur, Installation und/oder Film, man muss schon eine Weile suchen, um Kunst zu finden, die näher am alltäglichen Leben und zugleich so überraschend und amüsant ist. Diese Kunst macht auch Menschen Spaß, die vollkommen ohne Kunstwissen auskommen, und sie erlaubt auch diesen Menschen ohne Mühen einen unmittelbaren Zugang.


Künstlerische “Kollegen” von Fischli & Weiss


Kunstkritiker sehen in der oftmals parodierenden Haltung ihrer Arbeiten Parallelen zum unvergessenen Dadaisten, Surrealisten und Konzeptkünstler Marcel Duchamp und natürlich zum Kinetik-Künstler Jean Tinguely, aber auch zum Schweizer Dichter und intermedial arbeitendem Künstler Karl-Dietrich Roth (Diter oder Dieter Roth).


Wenn es speziell und das Thema der Rube-Goldberg-Apparatur oder “Was-passiert-dann-Maschine” geht, gibt einige Künstler zu erwähnen, diese Spielerei ist in der Kunst (glücklicherweise) alles andere als neu: Bereits in der Barockzeit ergötzte man sich gerne an kunstvoll erdachten und gebauten mechanischen Apparaten und Wasserspielen, bei denen sehr häufig bereits ein gutes Quentchen Schabernack mit verbaut wurde.


In der Moderne wurden diese Anfänge dann zur “kinetischen Kunst” und in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wirklich populär. Man Ray und Marcel Duchamps bauten kinetische Bewegungs- und Lichtobjekte, von den Künstlern Naum Gabo und László Moholy-Nagy, Alexander Rodtschenko und Wladimir Tatlin kennt man konstruktivistische Maschinen.


Mehr oder weniger mögliche oder unmögliche Weltmaschinen in Anregung Rube Goldbergs tauchen in neuerer Zeit auch beim amerikanischen Künstler Tim Hawkinson auf, komplexe Geräte, die Musik oder abstrakte Kunst “herstellen”. Der Künstler Christoph Korn entwarf 2008 eine ganze Serie von digitalen „NON Maschinen“ mit einfachster Programmierung, die den Betrachter mit Verlangsamung und Entnetzung, Wissensentzug oder Nicht-Funktionalität konfrontieren.


Der Einfluss von Fischli & Weiss auf nachfolgende Künstler


Vor allem in der Schweiz gibt es natürlich einige junge Künstler, die sich an dem berühmten Duo orientieren. Das leider Ende April 2012 auseinander gerissen wurde, als David Weiss in Zürich seinem Krebsleiden erlag.


Peter Fischli arbeitet weiter, zunächst noch an Arbeiten, die er zusammen mit seinem Partner begonnen hatte: Im März 2013 wurde vor der Serpentine Gallery in London’s Kensington Gardens die Skulptur “Rock on Top of Another Rock” enthüllt, die in vierjähriger gemeinsamer Arbeit entstand.


Peter Fischli und David Weiss: One rock on top of another rock (2013)

Peter Fischli und David Weiss: One rock on top of another rock (2013)
Standort: Kensington Gardens (London)
von Alan Stanton [CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons


Wie der Name schon sagt, besteht diese Skulptur aus “einem Stein auf einem anderen”, riesige Findlinge, von denen der eine so genau austariert auf dem anderen sitzt, dass aussieht, als wäre er in dieser Sekunde auf ihm gelandet. Die Mischung aus Stonhedge-Remineszenz und alltäglichem Orientierungspunkt für Touristen bleibt ein Jahr in den Kensington Gardens und wandert dann nach Doha, Qatar, dort wo aller Stein zu Sand wird.


Auch die Weiterführung der kinetischen Kunst à la “Lauf der Dinge” ist bereits in Entwicklung – man nennt sie “kybernetische Kunst”, und hier reagiert das Kunstwerk auf äußere Einflüsse, z. B. auf menschliche Einwirkung oder elektronische Impulse.


Schon in den 1960er Jahren erdachte der Vater der kybernetischen Kunst, der ungarische Künstler Nicolas Schöffer, seine Kybernetischen und Spatiodynamischen Türme. Inzwischen beziehen viele Künstler aufregende technische Konstruktionen in ihre Kunstwerke ein, die durch Naturkräfte oder Motoren, Uhrwerke oder manuell bewegt werden, diese Künstler sind absolut auf dem neusten Stand der Technik, und auch computergesteuerte Kunstobjekte sind heute alles andere als eine Seltenheit.


Was sagen Fischli & Weiss über sich und das Leben?


Beide Künstler haben sich immer schon wenig über die an sie herangetragenen Deutungen ihrer Arbeiten geäußert. Das wird dann natürlich auch wieder gedeutet, so schrieb das Kunstmagazin “Art” über “subversive Nonsens-Botschaften” des Künstler-Duos, und Kritiker stellten die beiden nur zu gerne in die Tradition der Dadaisten. Die Künstler selbst schwiegen auch dazu, schauten mit amüsierten Kinderaugen in die Welt, bauten diese Welt dann mit ihren Kinderhänden ein wenig um, und brachten damit dann auch Erwachsene zum Lachen.


Fischli & Weiss zeigten ihre mehr als ironische Einstellung zum Leben lieber in ihren Werken: Die vom Werkschaffen losgelöste Kunstauffassung der Konzeptkunst, besonders in der Form des “Ready made”-Einbezugs gerade vorhandener Dinge, wird von ihnen schon einmal kräftig auf die Schippe genommen, wenn sie scheinbar alltägliches Atelierzubehör in den Ecken eines Museumsraums arrangieren, die sie in feinster Handwerksarbeit sorgfältig aus Polyurethan-Schaumstoff schnitzen, anschließend lebensecht bemalen und damit die zunehmende Geringschätzung künstlerisch-handwerklicher Arbeit innerlich lächelnd ad absurdum führen.


Ein solches Kunstwerk steht auch absolut in der alten Tradition des Trompe-l’oeil, der meisterlich ausgeführten Augentäuschung, und eigentlich tun Fischli & Weiss damit genau das, was nach dem traditionellen Kunstbegriff des “Kunst kommt von Können” von einem Künstler erwartet wird, nämlich die Natur möglichst naturgetreu nachzuahmen …


Peter Fischli hat noch nichts dazu bekanntgegeben, wie seine Arbeit nach dem Verlust seines Kollegen und Freundes David Weiss weitergehen soll, er möchte erst einmal alle gemeinsam begonnenen Projekte beenden, um sich dann nach und nach der Frage zu nähern, wie seine Kunst ohne den bisherigen Partner aussehen soll.



Die Schweizer Fischli & Weiss und ihre leise Eroberung der Kunstwelt

Mittwoch, 12. November 2014

Start-up-Day für Kreative am 18. November 2014 in Düsseldorf

Nach der äußerst erfolgreichen Premiere im vergangenen Jahr geht das Projekt für aufstrebende Künstler namens create:business am 18.11.2014 auf dem Platz der Ideen in Düsseldorf in die zweite Runde. Es soll größer und facettenreicher werden als im Vorjahr.


Neu ist neben einem erweiterten Vortragsforum der sogenannte create:business Marktplatz, auf dem sich Fachexperten aus unterschiedlichen Bereichen Zeit für die individuellen Fragen der Gründer und Selbstständigen in verschiedensten Kreativberufen nehmen.


Somit wird erneut innerhalb der Gründerwoche Deutschland eine innovative Plattform für alle Kreativen aus Nordrhein-Westfalen geschaffen und zum munteren Tete-a-Tete in die Landeshauptstadt geladen. Sicherlich eine große Rolle für die Organisation dieses Projektes dürfte der hohe Stellenwert der Kultur- und Kreativwirtschaft innerhalb von Nordrhein-Westfalen sein.


Create:Business Event 2014

Create:Business Event 2014


Sie wird nicht ohne Grund als eine der Schlüsselbranchen in NRW angesehen. So kam bereits 2012 jeder vierte Euro des bundesdeutschen Branchenumsatzes von 36 Milliarden Euro aus Nordrhein-Westfalen. NRW ist damit für ungefähr 50.000 Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft mit mehr als 300.000 Beschäftigten eine Heimat. Dem Rechnung tragend soll beim Start-Up-Day Kreativunternehmern beim Gründen und Wachsen aktiv geholfen werden.


Besonders interessant dürfte für viele Kreative sein, dass die NRW.BANK sowohl im Vortragsforum als auch dem create:business Marktplatz über den kürzlich lancierten NRW.Kreativkredit informieren wird.


„Mit create:business wollen wir diesen kleinen, innovativen Unternehmen helfen, ihr Marktpotenzial besser zu nutzen“, betont Immo Schiller, der zweite Projektleiter von create:business, „die Vermittlung von unternehmerischen Know-how ist hierfür elementar. Ebenso wichtig aber ist es, Angebote zu schaffen, die kleine Unternehmen im Wettbewerb unterstützen.“


Der NRW.Kreativkredit ist nach Ansicht der Veranstalter ein Schritt in die richtige Richtung, da bisher viele gute Ideen gerade an der Kapitalbeschaffung scheitern.


Start-up-Day für Kreative am 18.11. in Düsseldorf

Start-up-Day für Kreative am 18.11. in Düsseldorf


Folgende existenzielle Fragestellungen aus Sicht der Kreativen stehen im Fokus:


  • Wie komme ich an Kapital, um meine Ideen zu realisieren?

  • Wer gibt mir Geld für einen Prototypen?

  • Was ist bei der Künstlersozialkasse zu beachten?

  • Wie schaffe ich den Spagat zwischen Familie und Beruf?

  • Wie kalkuliere ich meine Honorare richtig?

  • Wie präsentiere ich meine Ideen selbstsicher und mitreißend?

Dank dem Engagement der Partner kann create:business für alle Teilnehmer kostenlos angeboten werden. Für eine kostenlose Kinderbetreuung ist erfreulicherweise ebenfalls gesorgt.


Mehr zu diesem Thema erfahren Sie aus der folgenden Pressemeldung: http://www.live-pr.com/start-up-day-f-r-kreative-am-18-11-2014-in-r1050496723.htm



Start-up-Day für Kreative am 18. November 2014 in Düsseldorf

Freitag, 24. Oktober 2014

NHM Wildlife Photographer of the Year 2014 - 50 Jahre prämierte Tierfotografie

Der internationale Fotowettbewerb für Natur- und Tierfotografie fand 2014 zum 50. Mal statt. Seine Gewinner wurden am 21.10.2014 feierlich bekannt gegeben. Vom 24.10.2014 bis 30.08.2015 werden die ausgezeichneten Arbeiten in London ausgestellt.


Der renommierte Fotowettbewerb gehört dem Natural History Museum und BBC Wildlife Magazine und wird von Veolia Environnement gesponsert. Er ist international führend für die künstlerische Darstellung der Natur und die Auszeichnung ist bei Fotografen aus aller Welt heiß begehrt. Kein Wunder, handelt es sich doch um ein Auslese atemberaubender und unglaublich detaillierter Naturdokumentation auf höchstem Niveau.


In diesem Jahr konnte der US-Amerikaner Michael Nichols die Jury überzeugen und den 1. Platz für sich verzeichnen – mit einem Schwarzweiß-Foto von ruhenden Löwinnen mit ihren Jungen im Serengeti-Nationalpark. Er setzte sich damit gegen Bewerber aus 96 Ländern durch, die mit insgesamt 42.000 Fotos am Wettbewerb teilnahmen.


Ein schöner und auch willkommener Nebeneffekt dieses Wettbewerbs ist es, dass die Fotografen immer wieder auch auf bedrohte Tierarten, brisante Themen rund um Flora und Fauna sowie auf Missstände aufmerksam machen.


Eine Auswahl der spektakulärsten Fotos


Siegerfoto 2014: Ein Löwenrudel auf einem Felsen im tansanischen Serengeti-Nationalpark

Siegerfoto 2014: Ein Löwenrudel auf einem Felsen im tansanischen Serengeti-Nationalpark
© Michael “Nick” Nichols/Wildlife Photographer of the Year 2014


Jan van der Greef hielt diesen tierischen Abstandshalter aus dem ecuadorianischen Dschungel im Bild fest.

Jan van der Greef hielt diesen tierischen Abstandshalter aus dem ecuadorianischen Dschungel im Bild fest
© Jan van der Greef/Wildlife Photographer of the Year 2014


Als der Vulkan Puyehue aktiv wurde, reiste Francisco Negroni in den Süden Chiles um den Ausbruch zu fotografieren

Als der Vulkan Puyehue aktiv wurde, reiste Francisco Negroni in den Süden Chiles um den Ausbruch zu fotografieren
© Francisco Negroni/Wildlife Photographer of the Year 2014


 In der Gruppe der unter 10-Jährigen gewann der Spanier Carlos Perez Naval mit dieser Aufnahme eines gelben Skorpions

In der Gruppe der unter 10-Jährigen gewann der Spanier Carlos Perez Naval mit dieser Aufnahme eines gelben Skorpions
© Carlos Perez Naval/Wildlife Photographer of the Year 2014


Lukasz Bozycki fotografiert in deutschen Bunkern Wasserfledermäuse, die dort auch bei Minusgraden ausharren

Lukasz Bozycki fotografiert in deutschen Bunkern Wasserfledermäuse, die dort auch bei Minusgraden ausharren
© Lukasz Bozycki/Wildlife Photographer of the Year 2014


Will Jenkins, dem diese Aufnahme eines Iguana in Costa Rica gelang. In der Gruppe der 11-14-Jährigen gehörte er mit diesem Bild zu den Finalisten

Will Jenkins gelang diese Aufnahme eines Iguana in Costa Rica. In der Gruppe der 11-14-Jährigen gehörte er mit diesem Bild zu den Finalisten
© Will Jenkins/Wildlife Photographer of the Year 2014


Der Riss auf der Bauchseite des jungen weißen Hais zeugt von dem Kampf gegen eine Langleine. Rodrigo Friscione Wyssmann hielt den traurigen Anblick vor der Pazifikküste Baja Californias in Mexiko fest.

Der Riss auf der Bauchseite des jungen weißen Hais zeugt von dem Kampf gegen eine Langleine. Rodrigo Friscione Wyssmann hielt den traurigen Anblick vor der Pazifikküste Baja Californias in Mexiko fest.
© Rodrigo Friscione Wyssmann/Wildlife Photographer of the Year 2014


In der Gruppe der 15-17-jährigen Fotografen ragte der Schwede Anton Lilja mit seiner Aufnahme einer Befruchtung unter Fröschen heraus.

In der Gruppe der 15-17-jährigen Fotografen ragte der junge Schwede Anton Lilja mit seiner Aufnahme einer Befruchtung unter Fröschen heraus.
© Anton Lilja/Wildlife Photographer of the Year 2014


Mehr Wildlife Photographer of the Year der letzen Jahre:


Die Sieger des Wildlife Photographer of the Year 2013
Die Sieger des Wildlife Photographer of the Year 2012
Die Sieger des Wildlife Photographer of the Year 2011
Die Sieger des Wildlife Photographer of the Year 2010


Mehr über den Fotowettbewerb “Wildlife Photographer of the Year 2014″, alle Gewinnerbilder sowie zum Natural History Museum erfahren Sie unter den folgenden Weblinks:


Wildlife Photographer of the Year

The Natural History Museum

Cromwell Road

London SW7 5BD, UK
http://www.wildlifephotographeroftheyear.com
http://www.nhm.ac.uk/wildphoto
http://www.nhm.ac.uk/wpy


http://www.facebook.com/wildlifephotographeroftheyear



NHM Wildlife Photographer of the Year 2014 - 50 Jahre prämierte Tierfotografie

Sonntag, 5. Oktober 2014

25 spektakuläre Skulpturen und Statuen aus aller Welt

Wir alle kennen die zahlreichen Skulpturen und Statuen, die viele unserer Städte bevölkern und bereichern. Sie sind entweder aus Stein, Metall, Stahl oder ähnlichen Materialien und oft symbolisieren sie berühmte Persönlichkeiten oder historische Objekte, die mit der Stadt oder dem Ort verbunden sind.


Doch es gibt ein paar wenige dieser plastischen Kunstwerke, die uns absolut den Atem rauben und die Grenzen unserer Vorstellungskraft sprengen.


Wir haben Ihnen 25 dieser unglaublich kreativen und spektakulären Werke, welche über den gesamten Planeten verteilt sind, in einer kleinen Sammlung zusammengefasst:




25 spektakuläre Skulpturen und Statuen aus aller Welt

Sonntag, 14. September 2014

Mäzene und Bewahrer: Die wichtige Rolle von Wirtschaftsführern für die Kunst

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum man in nahezu jedem Film über wichtige Investoren, Börsenmakler oder Banker in deren Büros Kunstgegenstände findet, die dem Laien oft hässlich erscheinen, dafür aber umso teurer sind?


Nun ja, das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass dies im wahren Leben häufig auch so ist. Es scheint eine innige Beziehung zwischen Geld und Kunst zu geben. Oder wie erklären Sie sich sonst die Versteigerung des Werkes “Abstraktes Bild” von Gerhard Richter, welches schlussendlich für umgerechnet 26,4 Millionen Euro über das berühmte Auktionshaus Sotheby’s in London den Besitzer wechselte?


Noch nie wurde so viel Geld für ein Werk eines noch lebenden Malers gezahlt. Wenn es um schon längst verstorbene Künstler geht, gehen noch horrendere Summen über den Tisch. Wie zum Beispiel für das teuerste Gemälde der Welt, das Tryptychon “Three Studies of Lucian Freud” des irischen Malers Francis Bacon für 142,2 Millionen Dollar.


Ein gewisses Kunstverständnis muss wohl jede/r Geschäftsmann/-frau mitbringen, sei es um gute Kunst zu erkennen und zu erwerben oder für die Vermarktung des eigenen Produkts.

Denn der Stellenwert von Kreativität nimmt in der heutigen Geschäftswelt deutlich zu, was man vor allem auf dem Gebiet des Visual Branding und Designs gut beobachten kann. Dabei geht es um das Marketing und die Platzierung von Produkten in einer kreativen und innovativen Art und Weise.


Kunsthändler und Mäzene

Kunsthändler und Mäzene
© Mumpitz – Fotolia.com


Eine ganze Industrie und Wissenschaft steckt hinter dieser Entwicklung, mit dem ultimativen Ziel, dem Käufer das Produkt schmackhaft zu machen und dann vor allem auch zu verkaufen.


Die Verkaufspsychologie befasst sich – genauso wie die Kunst – mit den psychischen Abläufen von Wahrnehmung, persönlicher Einstellung, Überzeugung und Motivation. Die Erkenntnisse werden genutzt, um tiefe und grundlegende Emotionen im potentiellen Kunden oder Kunstliebhaber zu wecken bzw. zu kreieren.


Ein Beispiel: Der typische Kunde im Supermarkt entscheidet sich in der Regel für das Produkt, das ihm am meisten zuspricht. Diese Entscheidung wird nun eben zu großen Teilen durch die Illustration auf der Verpackung beeinflusst, dank der sich der Kunde eine Vorstellung vom Produkt machen kann. In seltenen Fällen schaut er auf die Rückseite, um Inhaltsstoffe und Nährgehalte zu vergleichen. Lieber entscheidet er spontan aus dem Bauch heraus anstatt seine Wahl basierend auf den nackten Fakten zu treffen.


Aber nicht nur in diesem Sinne engagieren sich Geschäftsleute für Kunst und Design. Es wird auch tatkräftig unterstützt, um Newcomer in der Kunstszene unter die Arme zu greifen. Das tut zum Beispiel auch die JJ Foundation, welche von Nicole Junkermann (hier bei Xing) gegründet wurde und sich an Lateinamerika und dessen junge Künstler richtet.


Sie kooperiert mit zahlreichen anderen Stiftungen, wie der wohl wichtigsten Spaniens, der Fundación Montenmedio Arte Contemporáneo (NMAC Foundation). Diese lässt junge, unbekannte Künstler Ausstellungen in ihrem bekannten Skulpturenpark bei Vejer de la Frontera in der spanischen Provinz Cádiz veranstalten, was meist zu einem kräftigen Karriereschub führt.


Hierbei steht keinesfalls das Geld im Vordergrund, sondern die Ausstellung der Werke, welche die Kommunikation und das Verständnis der Gesellschaft mit Hilfe von Kunst voranbringen wollen.


Somit profitiert nicht nur das Geschäft von der Kunst, sondern die Vorteile ergeben sich eben auch andersherum. Eben diese verflochtene Verbindung der beiden eigentlich so unterschiedlichen Felder wirkt so paradox und trotzdem passend. Die Geschäftswelt, die sich mit den logischen und klaren Zahlen und Fakten auseinandersetzt und auf der anderen Seite die Kunst, die Kreativität und deren bunte Umsetzung erfordert.


Die Grenzen zwischen Kunst und Geschäft werden immer weiter aufgehoben, denn schon längst verschwimmen diese beiden Welten mehr und mehr ineinander.



Mäzene und Bewahrer: Die wichtige Rolle von Wirtschaftsführern für die Kunst

Sonntag, 7. September 2014

Ai Weiwei und "The Fake Case"

Der Titel dieses Artikels ist doppeldeutig – es geht um einen Film des chinesischen Künstlers Ai Weiwei, und um “The Fake Case” (den Scheinprozess), der hinter diesem Film steckt.


Der Film “The Fake Case”


Der Film “The Fake Case” ist eine kanadisch-dänisch-britische Produktion, bei der der preisgekrönte dänische Dokumentarfilmer Andreas Johnsen die Regie übernommen hat. Das Buch zum Film stammt ebenfalls von Andreas Johnsen, der mit seiner Firma Rosforth Films eine Reihe Aufsehen erregender Dokumentarfilme produziert hat und zu den Stars des dänischen Dokumentarfilms gehört.



Ai Wei Wei vor seiner Installation “Template” auf der Documenta 12 im Juni 2007[/caption]

Auch hier gelang es Johnsen und seinem Team, in beängstigender Prägnanz den Kern der Bedrohlichkeit des Scheinprozesses einzufangen, nach 86 Minuten Film fühlt der Zuschauer die Beklemmung am eigenen Körper.


Der regimekritische Künstler Ai Weiwei war am Flughafen von Peking am 3. April 2011 verhaftet und an einen unbekannten Ort verschleppt worden. 81 Tage lang hielt ihn die chinesische Staatsmacht ohne rechtsstaatliches Verfahren und unter vorgeschobenen Begründungen dort eingesperrt, das Ziel war, den kritischen Künstler endlich mundtot zu machen.


Das hat viel Aufsehen in der demokratischen Welt erregt, und es gibt nicht nur einen Film über Ai Weiwei in der Zeit der Haft. Die Amerikanerin Alison Klayman, die lange Zeit in China lebte, widmet sich im Dokumentarfilm “Never Sorry for Exposing China’s Oppression” (Ich werde mich nie dafür entschuldigen, die Unterdrückung in China aufzudecken) dem Künstler in und nach der Haft. Sie begleitet sein Leben drei Jahre, der Dokumentarfilm zeigt Ausschnitte aus Ai Weiweis Leben während dieser Zeit, inklusive seiner Verhaftung 2011.


Insgesamt entstand eine Art dokumentarische Autobiografie, die Ai Weiweis gesamtes Leben und Werk berührt. Der Dokumentarfilm, meist nur mit dem Titel “Never Sorry” zitiert, kam 2012 heraus und hatte auf der documenta 13 seine deutsche Premiere.



Der dänische Dokumentarfilmer Andreas Johnsen hat Ai Weiwei erst nach seiner Entlassung begleitet – wenn er in China war, allerdings auf Schritt und Tritt. Ai Weiwei war nach seiner Haft im Juni 2011 nur auf “Bewährung” freigekommen. Der Haftgrund wurde bei seiner “Verhaftung” einfach behauptet und ist bis heute nicht mit Beweisen belegt worden. Damit stellt sich das Vorgehen gegen Ai Weiwei als rechtswidrige Freiheitsberaubung dar, weil eine Verhaftung in einem Rechtsstaat eben einen solchen Haftgrund voraussetzt.


Danach stand Ai Weiwei ebenso grundlos ein Jahr lang unter strengem Hausarrest. Das hieß, dass er nicht vor die Haustür treten durfte, dass er weder Interviews noch sonstige Erklärungen abgeben durfte, er wurde verpflichtet, ständigen Kontakt mit der Polizei aufrecht zu erhalten.


Der eigentliche “Fake Case” ist eine, wie gesagt, ohne jeden Beweis unterstellte Steuerhinterziehung, für jeden in einem rechtsstaatlichen Gedankenraum befindlichen Menschen ein offensichtlicher Versuch des Staates, den für kritische Äußerungen bekannten Künstler einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen.


Das wäre gelungen, wenn das chinesische Volk nicht in einer wirklich Aufsehen erregenden Art und Weise Unterstützung geliefert hätte: Tausende von Bürgern spenden, mit ihrer Hilfe kann Ai Weiwei die absurde Millionensumme aufbringen, die der Staat ihm “als Strafe” auferlegt hat.



Andreas Johnsen war sieben Mal in China, um Ai Weiwei zu begleiten, insgesamt hat er jahrelang an diesem Film gearbeitet. Johnsen lässt Ai Weiwei einfach erzählen, über die 81 Tage Isolationshaft, darüber, dass sich in seiner winzigen Zelle auch noch ständig zwei Wärter befanden. Sogar während der Nachtruhe, von der man sich gut vorstellen kann, dass sie nicht so nachtruhig war, schon ohne Ai Weiwei Berichte über auf und ab gehende oder unter Schluckauf leidende Bewacher.


Johnsen zeigt auch, dass Ai Weiwei an seine Grenzen geht, er zeigt ihn übermüdet und überfordert – vor allem zeigt er aber, wie es Ai Weiwei dennoch gelingt, die rechtlosen und schamlosen Übergriffler in sein Leben mit ihren eigenen Waffen zu schlagen:


Er installiert in seinem Atelier gleich vier Kameras, die ihn von allen Seiten überwachen, Tag und Nacht, 24 Stunden, und streamt die Bilder auch 24 Stunden nonstop in die Welt, wodurch er nicht nur eindrücklich die vollkommene Harmlosigkeit seines Tuns und Lebens beweist, sondern ebenso eindrucksvoll jedem phantasiebegabten Menschen eine Vorahnung davon gibt, was es wirklich bedeutet, wenn die eigenen Daten und die Bilder des eigenen Lebens zum Spielball einer nicht autorisierten und nicht rechtsstaatlich geregelten Datensammlung und Datennutzung per Internet werden.


Wenn berichtet wird, dass die Behörden über die selbstentäußernde Verteidigung des Künstlers “alles andere als erfreut” sind, läuft sicher auch weniger phantasiebegabten Menschen der erste Schauer den Rücken hinunter …


Andreas Johnsen hat in “The Fake Case” die Atmosphäre der Rechtlosigkeit und ihre Auswirkungen auf Chinas berühmtesten Künstler sehr intim dargestellt, gerade dadurch gelingt es dem Film, Ai Weiweis ungebrochenen Mut im Kampf gegen die chinesischen Schein-Autoritäten um so deutlicher herauszustellen.


Damit wird Ai Weiweis und Andreas Johnsens “Fake Case” zu einem beeindruckenden Stück Hoffnung auf den Fortbestand der Menschlichkeit, der in Dänemark nach dem dortigen Filmstart im Jahr 2013 mit dem Kritikerpreis “Bodil” für den besten Dokumentarfilm des Jahres ausgezeichnet wurde.



Was geht uns das an?


Bei Gesprächen auf Kneipen-Niveau – die es immer noch gibt, auch wenn es immer weniger Kneipen gibt – kommt sehr schnell die Meinung zum Ausdruck, dass es ja wohl völlig überzogen sei, sich für einen Künstler einzusetzen, der in China sitzt, man habe doch hier in Deutschland genug zu tun, und unser Geld solle doch besser den Bedürftigen hier zugute kommen (welches Geld sie meinen, bleibt unklar, vielleicht ein Salär, dass Ai Weiwei für seine Tätigkeit an der Berliner Akademie der Künste bekommen würde, wenn er diese denn ausüben könnte – was das weitergedacht bedeuten würde, weigert die Autorin sich auszumalen).


Das sind die Leute, die sagen “mir doch egal, wenn jemand meine Daten sammelt, ich habe doch nichts zu verbergen!”, ohne zu merken, dass sie gerade international verhökert werden und dass Menschen schon auf Überwachungs- und Ausgrenzungslisten landen, wenn eine Familie gleichzeitig nach einem Kochtopf und irgendeinem Campingzubehör im Internet sucht, weil man aus diesen beiden Sachen schlimme Dinge bauen kann (was in dieser Familie natürlich keiner weiß).


Das sind meist übrigens auch die Leute, die sich für ihre Mitbürger im eigenen Land typischerweise nicht engagieren und einem Opfer einer maßlosen Ungerechtigkeit im Zweifel noch den Rat geben, es solle sich doch nicht so aufregen, gegen “die da” könne es doch sowieso nichts tun.


“THE FAKE CASE macht die Wahrheit zur Waffe. Unbedingt anschauen.”[/quote]

Ai Weiwei und "The Fake Case"